Archiv für Dezember, 2007
1503 und infiziert.
Ich habe es geschafft meinen Kadaver in die Stadt zu schleppen, was ich während der zehn Straßenbahnstationen wahrgenommen habe, wurde mir schon wieder aus dem Gedächtnis gedroschen. Mein Lieblingsmieses war am Wochenende ja da und schleppte mehr als nur Liebe mit sich. Wochenende war schön, ich hab die Ernährerfunktion gehabt und konnte seit langem mal wieder meinen natürlichen Beschützerinstinkt ausspielen ohne mir blöd dabei vorzukommen. Toll.
Aber ich war nicht vorsichtig genug.
Dienstag früh zwischen vier und fünf Uhr, schleppt sich ein bastiH träge zum WC. Ich wurde vom Lieblingsmieses angesteckt. Infiziert. Ich hab von 4-5 Uhr bis 13-14 Uhr mittags im 20-Minuten-Takt durchgekotzt. Und Leute, wenn ich mich übergeben muss, dann ist das kein Spaziergang. Wenn ich mich übergebe ist das vergleichbar mit einem Terrorangriff, mit einem Bombenabwurf oder mit der Mini-Playback-Show. Es ist laut, Menschen schreien, Häuser brennen, Explosionen, unerträglicher Lärm, schmerzverzerrte Gesichter, ganz viel Leid und so. Mich hat man sicher noch in Paris gehört. Ich war am Ende, glaubt mir. Ich rief dann gegen zwölf Uhr den Notdienst, der mir den ärztlichen Notdienst verweigerte, mir stattdessen Telefonnummern für Ärzte diktierte, die potentiell Hausbesuche machen könnten. Frechheit. Ich sterbe und kann einfach nicht vor die Tür und werde im Stich gelassen. Zwei Stunden und zwei Vomex-Zäpfchen später erlag ich dem Trauerspiel. Als ich abends zu mir kam, war ich beinahe dehydriert. Seitdem versuche ich das auszugleichen.
Potentielle Diagnose: der Noro-Virus.
Das war echt kein Spaziergang. Ich fühl mich wie der arme Journalist, der auf den Petersplatz in Rom geklebt wurde, als der Papst verstarb. Das arme Schwein hat sich doch auch nur von Espresso, Grappa und diesen ganz scharfen Würstchen ernährt (um Kalkofe mal gekonnt ins Spiel zu bringen).
Ich ernähre mich seit Dienstag nur von Brezeln, Salzstangen und Wasser.
Und jetzt steh ich so halb unter Quarantäne. So eine Riesenscheiße.
Falls ihr am Wochenende in Jena sein solltet und auf einer Party einen attraktiven, jungen, angetrunkenen Mann mit leichten Augenringen antreffen solltet und ihr das Gefühl haben solltet ihn ins Bett zu kriegen, fragt ihn vorher ob er ICH ist. Denn dann lohnt sich das nicht. Dieser Virus hat soviel Spaß gemacht wie eine ausgelassene Rutschpartie mit den Eiern auf Schmörgelpapier in einer lauen Sommernacht. Hohes Infektionsrisiko.
Und falls ihr jetzt denkt, ach, das nehme ich in Kauf für eine Nacht mit Basti, den erinnere ich an den wirklich befremdlich anmutenden Moment, in dem man sich das Zäpfchen einführen muss um nicht mehr zu kotzen. Ich hoffe, das ist Warnung genug. Falls aber jemand dieses Virus schon hatte, brauch er sich nicht zurückhalten. Vielleicht hört mein Lieblingsmieses ja diese Aufforderung und kommt ihr nach.
Ich geh dann mal wieder ins Bett und überlege mir, wer zehn Euro für ausreichend hält, mein Bad zu putzen.
1732 und Demütigung impossible.
Nachdem ich ja vor ein paar Tagen in einer Bar vom Kellner um vier Bier beschissen worden bin, dachte ich an die schäbigsten und erbärmlichsten Momente in meinem Leben.
Der Gedanke kam mir, als ich die Bar (Name wird lieber nicht genannt) verließ und dann darüber nachdachte, wieso ich dem Kellner nicht ins Gesicht gehustet habe. Oder am besten auf den Tresen gekotzt, dann hätte sich das hässliche Kellnerbuckelschwein selber davon überzeugen können, wieviel Bier tatsächlich in meinem Magen gelandet war.
Ich ziehe ja peinliche Dinge an, davon können sich diejenigen, die das Privileg genießen Zeit mit mir zu verschwenden ab und an überzeugen. Die Auswahl ist also groß. Aber ich habe heute das schrecklichste und erbärmlichste Gespräch in meinem Leben geführt. In einem Fahrstuhl.
Tür auf. Drei junge Damen, eine alte Dame und ein schmierig aussehnder Typ steigen ein. Und ich (ob ich schmierig aussah, möchte ich nicht kommentieren). Auf einmal stank es berbarst nach Pupe. Alle schauen nach unten, dann ging der Blick auf mich, dann auf den Typen.
Und jeder weiß, was für eine Atmosphäre in einem Fahrstuhl herrscht. Menschen reden da nicht. Menschen schauen nach unten oder nach oben. Das ist wie auf dem Männerklo. Da hält man einfach die Backen. Wer das Maul da aufmacht, der muss damit rechnen einen lauwarmen Schluck Körperfanta an die Hose zu kriegen.
Im Fahrstuhl ist das noch eine Nummer extremer. Da ist der persönliche Toleranzkreis von mindestens einem halben Meter durchbrochen. Mundstuhlalarm ganz ganz hoch. Intimsphäre gleich null. Beklemmend. Deswegen redet man da nicht. Und ganz besonders pupst man da nicht. Und wenn doch, dann sollte man die Eier in der Hose haben und es laut tun und nicht Nazimäßig einen leisen Schleicher rauslassen. Qualität statt Quantität passt hier nicht.
Und was macht dieser miese Typ? Er schaut mich an und schüttelt genervt den Kopf. Er schüttelt den K o p f. Die alte Dame räuspert sich entrüstet mit einem „Also wirklich, junger Mann…„. Die Mädels werden rot und grinsen sich an. Und ich war so rot, wie das Blut, dass ich bei der Pseudopetze gleich zum Fließen bringen wollte. Ich habe nicht gepupst. Ehrlich.
Man stelle sich das mal vor. Fünf sich gegenseitig unbekannte Menschen in einem geschlossenem Raum von maximal vier Quadratmetern beschuldigen einen fälschlicherweise gepupst zu haben. Und das Schlimmste war, es war einer von diesen Furzen, die so schlimm riechen, dass sogar der ehemalige Besitzer ein kurzes trockenes Würgen unterdrücken muss.
Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen und da die alte Frau die Halt’s-Maul-Regel bereits gebrochen hatte, sah ich in die hässliche Fresse der Pietätlosigkeit neben mir und sagte:
„Ey, hört auf mich anzustarren, ich war’s nich…„
Und der Typ sagt allen ernstes:
„Kommt aber von da drüben.„
Leute, glaubt mir, wie im Kino. Davon mal abgesehen, dass es kein drüben in einer so kleinen Fahrstuhlzelle gibt, war es unglaublich, dass das eigentliche blöde Blähschwein er selbst war und mich beschuldigte. Ich fass es nicht. Mit solchen Situationen rechnet man doch nicht. Wenn es in einem Fahrstuhl plötzlich nach Pupe stinkt, dann guckt man noch intensiver nach unten und schüttelt den Kopf, wenn man draußen ist.
Ich also:
„Willst du mich verarschen? Du warst es doch.
Man kann sich vorstellen, dass ich bereit für Beef war, auch auf so kleinem Raum und wenn ich ihm lediglich mit ner zünftigen Kopfnuss das Nasenbein in den Kopf gehämmert hätte.
Er:
„WIE BITTE? ICH RIECH NICH SO.„
Ich:
„Hör auf mir das in die Schuhe zu schieben, man, ich hab nicht gepupst.„
Die Mädels kicherten. Ich war einfach nur verdammt bereit, mein Vorstrafenregister zu updaten.
Dann hielt der Fahrstuhl, er stieg aus und sagte zum Abschied „Arschloch„. Boing-Flip. Jede Beleidigung prallt an mir ab und geht zum Urheber zurück.
Dann trat noch grausameres Schweigen ein. Der Fahrstuhl stank wie die schmutzigste und am längsten nicht abgewischte Kimme und ich war unglücklich und extreeeeeeem peinlich berührt. Ich sagte noch einmal, dass ich es nicht war, aber keiner reagierte.
Kurz bevor der Fahrstuhl wieder hielt, lieferte ich mir noch einen fünfsekündigen Starring-Contest mit der Oma, aber nach den alten Regeln. Sie gewann. Das waren die furchtbarsten und demütigensten 30 Sekunden meines Lebens.
Wie kann so eine bescheuerte Situation in einem Fahrstuhl entstehen? Wieso spricht man dann darüber?
Zehn Minuten später kam mir die Idee, dass diese scheiß Oma ja auch gefurzt haben könnte. Aber dieser Gedanke versank in meiner Peinlichkeit.
Auf jeden Fall, werde ich mich bei dem Arschloch, das mich als eben solches betitelt hatte, beim nächsten Zusammentreffen entschuldigen und ihn auf ein Bier in der Bar einladen, die mich vor einigen Tagen abgezockt hat. Wenn ich dann für 20 Euro getankt habe, renne ich weg. Auf diese Weise kriegen alle ihre gerechte Packung. Und Notiz an mich selbst: Mehr Starring-Contest üben. Das war echt eine blamable Vorstellung von mir.
0137 und to-do-Liste.
So. Hab jetzt mal, obwohl ich gar nicht auf sowas stehe einfach mal hier mitgemacht. 200 Dinge, die man im Leben mal gemacht haben sollte. Oder wohl eher, deprimiert sehen, wie wenig man bisher in seinem Leben gemacht hat.
Aber so schlecht habe ich gar nicht abgeschnitten. Über dem Durchschnitt, was ich schon arg skeptisch betrachtet habe. Hab es dann nochmal gemacht. Selbiges Ergebnis. Doofer Test, guter Nachgeschmack.
Von 200 Dingen, habe ich schon 91 abgehakt. Für die Übrigen 109 Dinge habe ich also noch zwischen 50 und 60 Jahre Zeit. Wie schön. Die brauch ich auch. Addiert mit meiner persönlichen Liste sind es nämlich weit über 1000 Dinge.
Die Auswertung + Kategorien:
1. Abenteuer
Mein Wert (2.3) ähnelt dem Durchnitt der restlichen 340.000 Teilnehmer (2.4). Wie schön. Da ich für meine Miete hart arbeiten muss, komme ich leider selten dazu mal ordentlich Abenteuer zu erleben. Dank meiner Fantasie macht mich das nicht traurig, sondern nur elangeladen zwischen den Zeilen des Alltags nach Abenteuern zu suchen und diese auch zu finden.
2. Bildung
Mein Wert (3.1) liegt ein wenig höher als der Durchschnitt (2.5), aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich in 3-4 Jahren mehr als 10.000 Euro Schulden habe, kann man sich auch fragen, ob das nicht ein Unterfangen mit Pyrrhusieg war. Nun. Wir werden sehen.
3. Crazy (was für ein behindeter Name für eine Kategorie)
Ich (6.2) vs. alle (3.7). Toll. Dass ich wegen dieser nicht unbekannten Eigenschaft schon oft in die Scheiße greifen durfte, wurde natürlich nicht berücksichtigt. Und mal ganz unter uns. Ich bin normaler, als so manch anderes Arschloch auf diesem Planeten.
4. Happiness (*augenroll*)
Das dürfte den würgenden und begrabschten Pulsiv zwar nur bedingt interessieren, aber hier bin ich mit 5.6 weit über Schnitt (3.4). In ur fees *grins*.
5. Körper
Wie ich da auf 5.0 zu 2.3 gekommen bin ist mir zwar schleierhaft, aber ich rauche ja schließlich so gut wie nie. Vielleicht war das ja intuitiv. Ich bin fröhlich (siehe Punkt 4).
6. Liebe & Partnerschaft
Ich (6.9) weiß es doch. Die Anderen (3.7) aber auch. Nur das Liebe für mich die letzte Rettung ist. Deswegen tu ich es ja auch.
7. Natur
Der Test scheint nicht geschnallt zu haben, dass ich ein Berliner Großstadtkind mit Götterkomplex bin, denn wie kann ich (4.7) Sinn für Natur haben? Die anderen sehen das ganz ähnlich (4.3).
8. Reisen
Früher, als ich noch bei Mutti gewohnt habe, da war Urlaub Standard. Aber jetzt? Der letzte Urlaub war so halb Backpacker-mäßig in Kroatien 2004. Wie kann ich (2.1.) höher als die Anderen (1.7) liegen? Ich glaube, diese Untersuchung ist nicht repräsentativ.
9. Romantik
Ich (8.0 zu 5.8) habe nichts anderes erwartet, wenn ich mal ehrlich bin.
10. Self-made
Was auch immer damit gemeint ist, ich (2.4) liege im Durchschnitt (2.2).
11. Sex
Okay? (4.5 zu 2.4)4.0 soziales 3.4
12. Soziales
Das beruhigt mein Gewissen nicht im Geringsten (4.0 zu 3.4).
13. Sport
Habe ich schon mal erwähnt, dass ich noch vor meiner Zeit als Soldat (2004-2005) freiwillig 110km am Stück gelaufen bin. Booja. (3.8 zu 2.5)
14. Technik
*gähn* Das ist doch mal n wahres Ergebnis (0.9 zu 2.1)
15. Tiere
Dafür schäme ich mich ein bisschen (0.9 zu 1.5), aber ich geh gerne in den Tierpark.
16. Verbotenes
Wenn ihr wüsstest, ey, was für n bösen Bürschtlein ich sein kann. Oh man. (7.0 zu 3.1)
1449 und ein bisschen „deep throat“.
Du weißt was du vom Tag zu halten hast, wenn er mit Würgen, Rülpsen und semi-schweren Petting beginnt.
Kontext hier nachzulesen.
1010 und im Reinen.
Man weiß, dass man mit sich im Reinen ist, wenn man mindestens eine Stunde lang einfach so im Bett liegen kann und dabei nichts anderes tut außer Musikhören. Ohne was zu wollen. Momente der Panik, die sich sonst so dominant in den Alltag kämpfen, haben keine Wahl. Sie müssen klein bei geben.
Die letzten Tage waren sehr schön. Ich, als überzeugter Geburtstagsrassist, wurde mit einer sehr schönen Überraschungsparty gefeiert. Nach der langen Nacht gab es am nächsten Tag ein sehr leckeres Mittagsessen (Chicken Wings mit Honig-Tomatensoße auf Basmatireis mit Blattspinat) und am Abend dann einen Film von Ridley Scott im Kino (American Gangster).
Das 24. Lebensjahr ist nun da. Ich hab Angst vor dem Älterwerden, obwohl ich merke, dass ich mit der Verantwortung wachse. Ich habe immer noch zuviel Kind in mir, um ein wirklicher Erwachsener zu sein. Ich habe Angst, dass das weggeht.
Tagsüber studiere ich, Abends lerne ich und nachts arbeite ich noch mal zwischen fünf und zehn Stunden. Ich bezahl meine Rechnungen. Ich ernähre mich gesund. Ich habe alles im Griff, glaube ich. Aber ich werde niemals in irgendeiner Form etwas werden, was ich nicht sein kann.
Ich will Spielen. Ich will lustige Dinge denken, ich will merkwürdige Sachen machen. Das liegt in meiner Natur und es macht Spaß. Ich will keine Panik. Ich will mit mir im Reinen sein und Musikhören können ohne was zu wollen.
Aber ich bin manchmal das Bildobjekt, dass nicht sichtbar wird auf dem Bildträger.
Panik weg. Angst weg. Ich will Spielen. Und im Reinen sein.




