Gut. Ansichten muss man nicht teilen. Aber wenn offensichtlich ist, dass man mit seinen geäußerten Gedanken im Gespräch richtig liegt, weil die Reaktionen des/der Gesprächspartner/s so unecht sind, dann ärgert man sich – in diesem Fall meine Wenigkeit – über diese Tatsache. Thema: Fremdgehen.
Gestern war ein schöner Abend. Salat- und Käseessen bei „Laubru“ und lecker Weintrinken. Es war auch ein Paar aus unserem hiesigen Freundeskreis anwesend. Dann kam das Thema Fremdgehen.
Vielleicht habe ich ja auch meine Worte unglücklich gewählt, als ich sagte, dass ich meiner Partnerin diese Option (mieses Wort für so eine Sache) immer offen lassen würde, weil mir bewusst ist, dass je länger man zusammen ist, die Gefahr eines Seitensprunges steigt, wenn die Kommunikation nicht mehr das ist, was sie anfangs mal war (das ist eh ein Grundproblem in vielen Beziehungen). Toleranz, liebe Freunde, Toleranz. Das ist das Schlüsselwort. Ich erlaube meiner Freundin fremd zu gehen. Damit bringe ich ein Problem in einen fassbaren Zusammenhang, denn sie wird sich niemals wie in einem Gefängnis fühlen. Sie darf. Sie tut es jedoch nicht, weil sie weiß, dass ich mir auch einen Teil der Verantwortung nehme. Sie tut es auch nicht, weil sie weiß was sie will. Und man ist sexuell gesehen in seiner Beziehung viel offener, wenn man solche Grenzen verbal überschritten hat. Plötzlich traut man sich viel mehr, eben weil man z.B. durch das Geben solch einer Freiheit merkt, was man in dem anderen hat.
Das Argument des Paares lautete wie folgt:
Aber du willst doch nicht betrogen werden, wieso machst du ihr dann so ein Angebot? Das erhöht doch die Wahrscheinlichkeit, (du Idiot)!
Falsch. Tut es nicht. Die Gefahr wird immer da sein. Ob man seinem Partner das gestattet, oder nicht. Ich vernichte mit so einem Angebot aber Brennmaterial. Wenn sie fremdgehen sollte, dann ist es eben so. Dann ist es wichtig, wie sie zu der Sache steht, wie sie danach zu mir steht. Ich werde sie mit Sicherheit nicht wegjagen und im Geheimen weiß ich, dass wenn wir uns lieben, alles wieder gut werden wird. Es ist schließlich nur Sex (geht man mal davon aus, dass es wirklich nur einmal mit einem/r Typen/Frau war). Was ist schon Sex? Blödes Rumgeficke. Mein Gott. Ich kann mich natürlich nicht gegen das brennende Gefühl der Eifersucht wehren, mich würde das auch verletzen. Aber die Gefahr ist nunmal da. Und der Mensch ist nunmal keine monogame Natur, auch wenn ich mir das wünschen würde. Ich seh jeden Tag Frauen, die mich sexuell ansprechen. Und? Ich hab Fantasien, die trauen sich manche nicht mal in Worte zu fassen. Und? Die Einzige, die diese kennt, ist meine Partnerin. Und genauso offen, gehe ich mit dem Thema Fremdgehen um. Ich will es nicht und tu es auch nicht. Und die Gefahr, dass ich es tun würde, sinkt, wenn meine Freundin mir dies gestattet. Und wenn ich es trotzdem tun würde (warum auch immer), dann weiß ich, dass sie es versuchen würde zu verstehen, weil sie genauso Triebe hat wie ich.
Man könnte meinen, dass das dann respektlos sei. Aber wieso. Mir wird dadurch nur klar, wie sehr mich meine Partnerin liebt, wenn sie mir sowas gestattet. Sie ist bereit Dinge auf sich zu nehmen, die ihr weh tun könnten, einzig und allein aus dem Grund, weil sie mir Freiheiten gibt. Und damit macht sich meine Partnerin einzigartig. Deswegen fühl ich mich mehr und mehr zu ihr hingezogen. Deswegen fantasiert man zusammen und setzt Fantasien um. Das macht Sex in der Beziehung wieder aufregender. Auch nach vielen Jahren. Und jetzt erkläre mir mal einer wie sich so blödes Rumgeficke mit fremden Frauen/Typen mit dieser Freiheit in der Beziehung messen kann?
Es geht nicht um Sex. Es geht darum, einen Preis für das Glück zu zahlen. Wenn man diesen Schritt geht, dann wird man sicherer sein. Die Gefahr ist nicht mehr gestiegen als sonst. Aber das Vertrauen und die Sicht auf Liebe. Das wird einfach intensiver. Das kettet einen nochmehr zusammen. Aus dem potentiellen Gefängnis in einer Beziehung wird bedingungslose Freiheit und Toleranz, die einen nicht unglücklich machen wird, wenn man mal nicht über solch oberflächlichen Verlust-Scheiß redet.
Das Paar sah sich an. Sie schüttelten den Kopf, verstanden es nicht und meinten beide, dass sie sich so lieben würden, dass sowas nicht nötig sei (dem anderen Freiheiten zu lassen). Sie begriffen nicht, dass mit Freiheit eigentlich etwas symbolisches gemeint ist, dass jederzeit real werden könnte. Sie lachten und hielten Händchen. Ich weiß jedoch, dass einer der beiden noch vor kurzem davor stand den anderen zu betrügen, wovon der andere bis heute nichts weiß. Und jetzt frage ich mich, was trauriger ist:
Die Tatsache, dass sie sich was vormachen und meine Gedanken mit Spott abstrafen, gleichzeitig jedoch genau das erfüllen, was ich mit meiner „Strategie“ erfolgreich verhindere oder das sie mir suggerieren, dass sie sich in ihrem Gefängnis so wohl fühlen, das sie gar nicht merken, wie wertvoll das Geschenk der Freiheit sein kann?
Nun, ich kenne die Antwort. Für mich. Meinungen muss man nicht teilen. Ich bin glücklich, darauf kommts an.





Dazu kann man nur eines sagen. Kommunikation ist alles. Wenn man als Paar keine Ebene mehr findet, sich auszutauschen, nützt auch Treue nichts.