Archiv für November, 2007

1228 und etwas haben.

aposIst es besser, etwas nie gehabt zu haben oder etwas zu verlieren?

1959 und Übelkeit.

aposIn einer Welt, in der Mönche hingerichtet werden, in einer Welt, die von den großen Männern in einen Scheißhaufen verwandelt wurde, irritiert mich nicht mal mehr, dass auch menschlicher Abschaum Subjekte dieser Bewegung Gehör finden wollen und es auch schaffen. In einer Welt wie dieser, nein, da fühle ich mich nicht wohl. Aber es ist ja nicht die Welt, die beschissen ist. Es sind viele Menschen, die ihren Schatten über sie legen. Und irgendwann auch im wahrsten Sinne des Wortes. Danke an Frau Dus für den Hinweis. Ich geh mich dann mal übergeben. Mal wieder.

0934 am 05112007 und ‘traurig’.

aposIch balle meine Faust in der Hosentasche. So sehr, dass sich meine Fingernägel, die immer kurz sind, in meine Handfläche bohren. Sie ist weg. Drei Monate war sie bei mir. Drei Monate, die sehr strapaziös waren. Drei Monate, die aufwühlend und superschön waren. Jetzt ist sie wieder da, wo ich nicht sein kann. In Mannheim. Zu weit entfernt für ein Lächeln.

Wie soll ich morgens aus dem Bett kommen, wenn sie gar nicht mehr da ist? Jeden Morgen, wenn sie halb sieben aufgestanden war, ist sie verschlafen in die Küche gegangen und hat sich einen Kakao gemacht. Ich lag dann immer noch im Bett mit dem Gedanken, dass ich noch 20 Minuten dösen könne, während sie sich fertig machte. Ich lauschte immer ihren Schluckgeräuschen, wenn sie ihren Kakao trank und das gab mir das Gefühl von Zuhause. Ich rutschte immer auf ihre Seite unseres Bettes und absorbierte ihre Körperwärme. Das waren Momente am Morgen, die sich allen Regeln der Zeit entzogen. Wenn die Wärme aufgebraucht war, bin ich aufgestanden. Ich weiß gar nicht mehr so richtig, wie es davor war.

Früher waren es immer so einfache Antworten, aber jetzt ist es wesentlich komplizierter geworden. Mein Zuhause, meine Wohnung ist ein Ort geworden, an dem wir existierten. All die Liebe, die sie in den letzten Wochen für mich aufgebracht hat – nach dieser schrecklichen Zeit vor noch zwei Monaten – hängt jetzt in meinen vier Wänden. Mir wird ganz schwindlig, wenn ich ihre Haare im Abfluss sehe. Ihre Ellbogen, die sie immer nach hinten gestreckt hat, kurz bevor sie mich ganz piepsig „Mieses“ nannte und sich ein Lächeln anschloss, was mir Kribbeln verursachte. Auch nach zwei Jahren Beziehung bin ich nicht satt von diesen Momenten.

Eigenartig, dass ich nach einigen Beziehungen nie wirklich das Gefühl hatte, dass ich weiß, wie ich mich den Worten Geborgenheit oder Liebe zu stellen habe. Mir fällt in diesem Zusammenhang ein, dass ich schon immer wirklich von jemanden geliebt werden wollte, der mich braucht. Dieses Gefühl gab sie mir. Vorallem in den letzten Wochen. Dass sie jetzt wieder weg ist fühlt sich so an, als wenn man taub auf ein Konzert geht, auf das man sich so lange gefreut hat. Es ist merkwürdig, dass sich das mit einer Erkenntnis paaren könnte, die man so noch nicht machen dürfte. Als würde man erst den Schluss eines Buches lesen. Und der Knackpunkt ist, dass man nur ein einziges Buch lesen darf. Man kann ja auch nur ein Leben führen, um zu lernen, wie man richtig lebt. Die Erkenntnis daraus wird man nie nutzen können, trotzdem ist sie so wichtig.

Wenn sie schlief, dann habe ich manchmal an ihren Lippen gerochen, weil ich dachte, dass es eigentlich das wichtigste in diesem Augenblick war. Wenn sie sich streckte, musste ich immer meine Hand auf ihren Bauch legen und gleichzeitig meinen Zeigenfinger auf ihren Bauchnabel drücken. Es war richtig so. Und wenn sie meinen Kopf nahm, dann musste ich meine Augen schließen, damit sie ihre Augen schließt, nur damit ich schmulen konnte, ob ihre Augen wirklich auch zu waren. Ich habe mich manchmal gefragt, ob sie das auch so macht.

Wenn sie aus purer Freude dann albern durch mein Wohnzimmer tanzte und dabei knurrte, bin ich aufgestanden um sie festzuhalten. Sie sagte dann immer ganz piepsig „Mieses“ und freute sich. Nur deswegen bin ich aufgestanden um sie festzuhalten. Sie hielt meine Nase fest, wenn sie dachte, dass sei gut. Sie fummelte an ihren Fingern rum, wenn ich ihr was erzählte, dass sie lustig fand. Und ihre Augen leuchteten, wenn ich ihr einen Zeichentrickfilm anmachte und ihren sechsten Kakao des Tages brachte. Sie hat nie bemerkt, wie ich sie ansah, wenn ich ihr den Salzstreuer gab, weil sie ihr Essen immer versalzen musste. Ich lächelte dann immer und das merkte sie. Sie lächelte auch, aber sie wusste nicht warum. Wenn sie abends ihren Po an meine Hüfte drückte und wollte, dass ich meine Hand auf ihre Hüften legte, habe ich immer die Decke gesehen, die mir ihr mitatmete und ich wartete auf das Knurren, dass immer von ihr kam, wenn ich ihr die Decke wegnahm. Sie drückte immer ihr Gesicht in meinen Hals.

Ich war so aufmerksam. Die ganze Zeit. Ich glaube, sie hat nie wirklich gewusst, wie stark meine Aufmerksamkeit ihr gegenüber war. Sie ist mir nach wie vor ein Rätsel. Ich verstehe nicht, wieso sie so ist wie sie ist. Wieso zieht mich das so in ihren Bann? Wieso? Egal wie sehr ich mich nach anderen Körpern gesehnt habe, es war wertlos, verglichen mit den Rätseln, die sie mir im Alltag aufgab. Dass ich an ihren Lippen roch, war nur ein Versuch, mir Dinge verständlich zu machen. Und egal wie sehr wir uns manchmal langweilten. Wir taten es zusammen. Und das hat uns so glücklich gemacht. Ich komme von dieser Frau nicht weg. Ich habe alles versucht. Ohne Scheiß. Ich Arschloch habe sogar mit einer anderen geschlafen, habe es ihr dann gesagt. Aber sie machte etwas, was mich zutiefst verzauberte. Sie nahm meinen Kopf und ließ mich an ihren Lippen riechen. Mir wurde klar, dass ich alles tun könnte, aber dieses Gefühl, dieser Anblick, wie sie verletzt mit Tränen auf den Wangen ihre Lippen zu meinem Mund führte, nicht um mich zu küssen, sondern um mich riechen zu lassen, dass zeigte auf zwei so große und rätselhafte Worte: Geborgenheit und Liebe.

Ich komme von dieser Frau nicht los. Und die Frage „Warum willst du überhaupt von dieser Frau weg?“ ertappt mich auf so eine eigentümliche Art, dass ich auf der Stelle heulen könnte. Eigentlich habe ich gar nicht verdient, was ich anderen in vielen Jahren versucht habe zu geben. Ich bin selbst erkrankt von der Verwirrung in Zeiten zu leben, in denen man soviel schwachsinniges Verhalten verurteilen muss, um sich besser und einzigartig zu fühlen. Jetzt wird mir klar, dass nicht ich dieses Gefühl in mir erzeugen konnte, sondern sie.

Ich muss……… ich muss…….. ich will…. ich kann. Ich werde. Ich bin traurig. Aber ich glaube, dass mir so langsam bewusst wird, was ich seit Jahren skizziere. Liebe. Ich will.

Ich will riechen. An ihren Lippen. Und ich brauche Kakao. Damit er in der Küche steht, falls ich mich erinnern möchte wie es ist, wenn sie „Mieses“ ruft und mich damit lockt. Das ist mir so ein Rätsel. Ich bin irgendwie traurig und auch irgendwie einsam.

Zeitlos um 11.44 Uhr.

aposEs gibt einen zeitlosen Gedanken, der mich verfolgt, bei dem ich nicht weiß, ob er schon Realität war:

„Ich hoffe, dass ich eines Tages die Erfahrung machen werde, für einen geliebten Menschen etwas zu tun, das ich nicht verstehe.“

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