1053 im Alkoholrausch.

aposNachdem ich mit Sara einer Meinung bin, was gute Filme angeht, haben wir uns jetzt auch auf ein ganz besonderes Phänomen geeinigt: menschliches Verhalten im Alkoholrausch.

Manche Menschen machen sowas hier, wobei ich mir nicht sicher bin, ob da wirklich Alkohol im Spiel war.

Wieso verändern sich Menschen eigentlich wenn sie betrunken sind? Aus biologischer Sicht brauchen wir dieses Thema gar nich zu zerpflücken. Mich würde aber mal interessieren, wieso manche/viele betrunkene Menschen so völlig anders sind, als im nüchternen Zustand.

Mein Alkoholkonsum war nie riesig, auch wenn ich vor einigen Jahren öfter mal einen kleinen Abstecher ins Camp Kotze machen musste. Aber in den zwei Jahren gehe ich echt bewusst mit Alkohol um. Ich kann an zwei Händen abzählen, was ich mir im Jahr betreffs Vollrausch gebe. Das sind dann meistens Events, wo ich es will.

Mein Alkoholverhalten:

  1. Die erste Stufe ist einfach mehr Quatschen, offener sein, genießen wie der Blick langsamer hinterherkommt, als der Kopf sich bewegt. Mir gefällt an dieser Stufe, dass ich einfach alles mitbekomme und mega gute Laune habe.
  2. Das ist die Stufe, die einsetzt, wenn ich weggehe und nicht unbedingt die Interaktion mit meinem Umfeld brauche. Ich bin immer noch in der Lage zuzuhören und zu lachen. Das ist auch so eine Phase, in der sexuelle Triebe vorkommen, die ich dann unterdrücke (weil: kein Aufreißer), aber immer im Hinterkopf habe. Ich lasse in dieser Phase meinen Humor ohne Kompromiss raus. Und charmant…. das darf ich nicht vergessen. Das bin auch ;) .
  3. Endphase und Endgegner. Entweder wollte ich es so oder ich bin verdammt deprimiert, was aber so gut wie nie vorkommt. In dieser Phase vermeide ich es, irgendwen zu irgendwas überzeugen zu wollen. Ich fall ins Bett und bete, dass ich nicht dehydriere bevor die erholsame R.E.M.-Phase beendet wurde (REM bedeutet im übrigen RABBIT EYE MOVEMENT und bezeichnet die Traumphase, wobei die Augen sich bewegen, in der Tiefschlafphase, glaube ich).

Ich werde alkoholisiert nicht aggressiv, nicht übermütig, ich gröhle keine dämlichen Fußballgesänge, ich werde nicht aufdringlich, laber auch niemanden einen Beutel Knete an die Backe, ich opfere nicht rum, ich heule nicht weil alles so scheiße ist, ich werde auch nicht streitsüchtig und ich provoziere auch niemanden mit Wahrheiten.

All diese Dinge legen aber fast alle Menschen, die ich kenne an den Tag (nicht alles, sondern immer mindestens eins dieser Dinge). Woran liegt das? Liegt es daran, dass ich im Einklang mit mir selbst bin? Oder schlummern in anderen Menschen einfach weitere Persönlichkeiten, die Alkohol als Eintrittskarte benutzen um auch mal nach außen zu kommen und Sonne zu sehen. Als würde das Gehirn genau abwiegen, welche Persönlichkeit alltagstauglich ist. Alle anderen Persönlichkeiten sind verkörperte Probleme und Komplexe. Vielleicht wird einem deswegen auch schwindlich, wenn man betrunken ist (ich will keine Klugscheißereien hören von wegen, dass der Gleichgeweichtssinn gestört wird, klar?). Vielleicht liegt es daran, dass dann einfach andere Seiten nach außen kommen und das Gehirn einfach überlastet ist. Es wehrt sich, weil man besoffen doch nur zum Handy greift und den/die Ex ansimst, weil man noch was los werden will, man geil ist oder einem atemberaubende Erkenntnisse durch den Kopf schießen.

Ich finds auch krass, wieviele Menschen tatsächlich glauben, alkoholisiert zu ficken ist eine Entschuldigung. Klar, wird man empfänglicher für Berührungen, verspürt mehr Lust, blabla……. aber sich permanent einreden zu wollen, dass es durch den Alkohol kommt, finde ich scheinheilig. Ich glaube, es liegt daran, dass man Seiten in sich hat, die so unterdrückt werden, dass sie DURCH den Alkohol ans Tageslicht kommen. Alkohol ist das Instrument, nicht die Ursache. Die Ursache wird tagtäglich unterdrückt in einem selbst.

Und da ich bereits nüchtern alle Seiten in mir auslebe und zulasse, bin ich alkoholisiert verdammt gut zu ertragen.

Bin übrigens trotzdem dafür, Alkohol zu verbieten. Generell. Weniger Tote, weniger Verletzte, weniger Herzschmerz.

8 Kommentare »

  Cait wrote @

Heißt das nicht Rapid Eye Movement? :D Naja… Egal…

Ich gehöre zu denen, aus denen nach dem Verzehr bestimmter Alkoholika (in einer bestimmten Menge), zum Beispiel einer Flasche Baileys das verwundete Tier hervorkommt. Welches im normalen Leben unterdrückt wird. Das muss aber nicht unbedingt heißen, dass ich mich nüchtern nicht “normal” oder “so-wie-ich-eigentlich-sein-sollte” verhalte. Sondern eher so, dass es für alle erträglicher ist. Mich inklusive…

Es gibt auch Dinge, die sind da, weil man es einfach viele lange Jahre lang nicht anders gewöhnt war. Wenn du ein ganzes Leben (bis etwa zum 23. Lebensjahr) mit einer alkoholkranken Mutter zusammenlebst, die dich psychisch absolut fertig macht, und wo der Alltag aus Streit… nein, eigentlich aus Krieg besteht, dann ist immer eine subtile Grundaggressivität in einem vorhanden. Das heißt aber nicht, dass das in Ordnung wäre diese Aggressivität auch im Büro an anderen auszulassen, die noch nicht mal “dafür können”. Und der eigene Hang zum Alkohol wird leider nicht in allen Fällen durch den abschreckenden Missbrauch minimiert oder eliminiert. Nein, eigentlich treiben dich oft Hass und Verzweiflung dazu, genau die gleichen dummen Fehler zu tun. Der Grund ist mir selbst schleierhaft. Frag mich nicht… o_O

Wenn ich also den Trigger Alkohol die Käfigtür öffnen lasse, dann kommt etwas raus, was eigentlich niemand sehen soll, was aber manchmal auch einfach raus muss. Für mein Umfeld tut mir das dann extrem leid, weil es oft auch schmerzhaft ist, einen Freund zu sehen, der nur noch weint, nicht zu beruhigen ist und die ganze Zeit nur vor sich hermurmelt, dass er sterben will. Und natürlich ist man dann meist auch peinlich berührt, im Nachhinein… Aber ein klein wenig bin ich auch froh, dass man dann meine eher “geheime” Seite kennengelernt hat. Einfach, damit die Leute Bescheid wissen, dass da in mir noch eine riesige Weltnot schlummert. Man kann dann besser auf mich reagieren, wenn ich wieder depressiv an meinem Schreibtisch sitze. :) Glaube oder hoffe ich zumindest…

Den schmalen Grat zwischen dem Menschen und dem Tiere zu finden, dafür brauche ich dann wohl noch etwas Zeit. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob es nicht genau dieser Grat ist, zwischen den Extremen zu schwanken. Am Ende schlägt die Kurve zwar zu beiden Seiten sehr weit aus, das Muster jedoch ist damit auch “regelmäßig”.

Whoh, was rede ich hier eigentlich? o_O Egal…

Alkohol verbieten… Darüber habe ich auch letztens noch nachgedacht. Ich würde mich aber unfrei fühlen, wenn ich nicht tun dürfte, was ich will. Und dazu gehört es auch, ab und zu mal auszurasten und meine Hand am Stromkasten wund zu rammen. :)

Unsere Weihnachtsfeier wird wohl alkoholfrei sein. Ich schätze, die Stimmung wird gegen Null laufen, egal, wie asozial und “unfrei” sich das jetzt anhören mag. :)

Grüßchen, Jenny

  andreschneider wrote @

Amen, Bruder.

  Para wrote @

Ich bin gegen überhöhten Alkoholkonsum.. zu dieser Erkenntnis kam ich allerdings auch erst nach meinem letzten Vollrausch – der damit endete, das ich auf der Toilette in meiner damaligen Stammkneipe saß und mir die Arme aufschnitt.. Weil meine Kopfdämonen hochkamen.. mich überrannten.. und ich die Kontrolle voll und ganz verlor

Ich hab damals nicht nur mir selbst wehgetan, sondern auch meinen besten Freunden, die mich (nachdem ich wieder am Tisch saß) mit einem herzzerreissenden Blick angesehn haben, bevor sie mir mit einem großen Knall und vielen Sternen in meinem nachwievor benebelten Hirn den Alkoholrausch aus jedem Winkel meinerselbst “prügelten”, mich mit einem richtig miesen Unterton in der Stimme anschrien.. und schlussendlich gingen..

Danach haben wir lange nicht miteinander gesprochen.. viele denken jetzt warscheinlich, das körperliche gewalt in diesem fall ja nicht unbedingt die optimallösung ist – aber ich bin ehrlich.. es war das beste was mir an diesem abend passieren konnte.. denn ich habe verstanden..

seitdem habe ich mich niewieder betrunken.. klar, ich lasse den alkohol nicht ganz weg.. jedoch trinke ich nur noch sehr selten.. und ich hab auch nichtmehr vor es in diesem maße zu übertreiben, denn..

ich hasse es einfach, wenn ich die kontrolle verliere – über mich.. und meine dämonen

  Lucky#Slevin wrote @

Schön auf den Punkt gebracht, bei mir hätte diese Diskussion wahrscheinlich ‘nen Jahrhundereintrag geerntet.

Ich stimme dir voll und ganz zu, was das Verhalten angeht, dass es nur unterdrückte Persönlichkeiten sind, die nun zu Vorschein kommen.. das denk ich mir bei meinem Lieblingsbeispiel ja immer wieder.. ;)

  Datt Alkohol || septemberRAVE wrote @

[...] zu dem Gespräch mit Basti und seinem aktuellen Eintrag über die Verhaltensänderung im Vollrausch, sollte ich vielleicht auch mal aus meinem [...]

  Robby wrote @

“RABBIT EYE MOVEMENT” *lach* – köstlich. Hat Cait ja gleich oben korrigiert, aber köstlich.

Zum Thema: Alkohol ist keine Entschuldigung. Wer weiß, dass er sich unter Alkohol nicht unter Kontrolle hat (soweit das eben möglich ist), sollte keinen trinken. Punkt.
Ich für meinen Teil trinke so gut wie nie und wenn, dann im erträglichen Rahmen. Und nur das, was schmeckt. Ich red’ dann bissl mehr (ja, noch mehr) Scheiße als sonst, geh’ auf die Tanzfläche (sofern vorhanden) und spring’ bissl rum – aber alles andere…
Fand’s erstaunlich, als ich nach’m C1-Besuch in Erfurt quasi wieder auf “nüchtern” switchen konnte – kleinere Einbußen außen vorgelassen (05.01.2007, falls jemand nachlesen will).

Alkohol als “Sozialisationsgetränk” schön und gut… aber als Mittel zum Zweck – nein danke. Zumal sich der Zweck mir nicht offenbart (sich sinnlos zuzuschütten).

  Juleschwester wrote @

wenn ich alkohol trinke, bin ich nicht groß anders…nur lauter…ich brauch den shit nicht mehr!abstinent!!!!

  JuleSchwester wrote @

Hey Basti,dein Dad schreibt.Schau mal bei wikipedia.de nach,da gibt es einen guten Eintrag (REM-Schlaf)


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