1307 und Re-Verlust.

aposBevor sie sah, was passierte, war es auch schon dunkel. Eine Stunde später stand ein netter Elektriker vom Havariedienst in der Küche, ähnlich einem Messiparadies und schraubte im Sicherungskasten rum.

Ein Havariedienst für zwischenmenschliche Schwierigkeiten, dachte ich mir zwischen dem Stromausfall und der Ankunft des Elektrikers, wäre eine feine Sache. „Guten Tag, ich weiß nicht mehr wie ich was denken soll.“, würde ich dann fragen.

In dieser Stunde saß ich mit Ebru, Erik, Dana, Anna (Verantwortliche für den Stromausfall) und Laura in einer finsteren Küche an einem Tisch mit Kerzen. Erik war traurig, weil man ihm in seine Erdnussschachtel geascht hat, was aber doch logisch ist, wenn es dunkel ist. Ich dachte daran, dass sich betrunkene Männer immer an einen Baum stellen, wenn sie pinkeln müssen, wie Hunde und das es ziemlich strange wäre, wenn sie es nicht tun würden. Ich dachte an Tränen, die ins Auge zurückfließen, weil man den Grund des Weinens schon wieder vergessen hat. Ich dachte daran, wie ich nass in der Dusche stehe und rückwärts trocken wieder rauskomme. Ich dachte an meinen letzten Sex, wobei das Blut wieder zurück in Körper floss und ich rückwärts aufstehe und meine Sache wieder anziehe. Ich dachte an meinen Motorradunfall, wie das zerstörte Blech wieder ganz wird und ich rückwärts vom Asphalt auf das Motorrad fliege.

Ich will einen Havariedienst dafür, um Verluste reversibel zu machen. Nicht um Dinge ungeschehen machen zu können, sondern weil das einfach besser so wäre. Hätte ich sie damals wirklich geschlagen, als ich rausbekam, dass sie mich betrog? Auf jeden Fall denke ich daran, dass meine Faust sich rückwärts aus dem Gesicht des Typen, mit dem sie mich betrog, bewegt. Ich sehe den Frust, der sich zu Glück rückwärts umwandelt, die Leiche meines Freundes Peter, die ins Auto zurückgeschleudert wird und ihn somit wieder zum Leben erweckt.

Ich sehe die vielen Lügen, die ich nie aussprechen musste und auch die Entscheidungen, die gar nicht getroffen werden können, sollte der Havariedienst seine Sache gut machen. Wenn ich genauso viele Finger hätte, die der Zahl der Verluste gleich käme, dann könnte ich die Handschuhindustrie revolutionieren. Ich bräuchte einen achten Wochentag, dem ich dem Fingernägelschneiden widmen müsste. Vielleicht würde ich sogar vergessen, dass ich soviele Sache vergessen habe, weil ich sie vergessen musste.

Diesen Havariedienst gibt es nicht. Als das Licht in der Küche wieder anging, freuten sich alle. Außer Erik und mir. Erik, weil Asche in seinen Erdnüssen war. Ich, weil ich neidisch auf den Sicherungskasten war, dessen Probleme einfach durch den simplen Akt des Erneuerns weg waren.

Ich spitzte die Ohren, als der Elektriker sagte, dass sie sich neue Sicherungen kaufen sollen. Ich schaute traurig auf den Boden und fragte mich, ob auch Menschen anfällig für Kurzschlüsse seien.

Gibts eigentlich für alle Sachen eine Lösung?

9 Kommentare »

  Para wrote @

nicht für alles.. aber für vieles.. und selbst wenn es so wäre.. irgendetwas bleibt immer auf der strecke.. und wenn es menschen sind.

  Lucky#Slevin wrote @

Oh Basti.
….
Danke.

  Robby wrote @

„Gibts eigentlich für alle Sachen eine Lösung?“

Ja, die Frage ist nur, ob sie gut/angemessen/schön/gerecht/… ist. Und für wen sie das sein soll – an wem gemessen wird.

  bastih wrote @

@para
klar. recht hast du, trotzdem war diese frage mehr oder weniger nicht so gemeint, wie du sie empfangen hast. ;)

@sara
… bittebitte.

@rob
das glaube ich ehrlich gesagt nicht. ich bin der meinung, dass es nicht für alles eine lösung geben kann und vieles auch keiner lösung bedarf.

  Robby wrote @

Wie gesagt, es kommt auf die Perspektive drauf an. Was für den einen von Nachteil ist, kann für den anderen von Vorteil sein. Ein Korb ist genauso’ne Lösung, wie ein Zusammenkommen etc. pp.

Wenn es um „perfekte“/ideelle Lösungen geht – nein, die gibt es wohl nie. Zumindest nicht auf größerer/globalerer Ebene.

  bastih wrote @

ich kann nicht so ganz in worte kleiden was ich meine, aber ich denke, dass es etwas gibt, etwas persnliches, für das es keine lösung gibt. und mit lösung meine ich, dass dieses problem gelöst wird für denjenigen. verstehst du?

  Robby wrote @

Hmm – jein. Keine Lösung ist gewissermaßen ja auch’ne Lösung – oder muss zu einer gemacht werden. Aber prinzipiell weiß ich, was du meinst.

Die Frage ist: Gibt’s wirklich keine Lösung oder ist man nur nicht im Stande, sie (alleine) umzusetzen?! ;) Oder will man es überhaupt?
Kommt auf das Problem (Personen, usw.) an. Hmm. Wir waren übrigens immer noch nicht Kaffee trinken :p

  bastih wrote @

ich mein das wirklich ganz emotional, weniger philosophisch. das heißt, keine lösung ist auch keine lösung. und auch der umstand, dass es nichts gibt, zu dem man imstande sein könnte um eine lösung zu finden.

wenn man davon ausgeht, und ich GLAUBE, sowas gibt es (und ich bin beiweitem optimist), dann muss man an fragen, die sich um verlust drehen, ganz anders herangehen. selbstverständlich impliziert das, dass man nicht wirklich eine lösung finden kann. aber es geht ja ums verstehen. vielleicht meinst du damit ja auch, dass vielleicht erfahrung eine lösung sein kann?

kaffee am donnerstag oder freitag?

  Robby wrote @

Hmm – selbst emotional gibt’s Lösung. Zumindest bin ich gerade dabei, gelöst zu werden – oder so.

Offene Karten in der Hinsicht wären ganz hilfreich, dann könnt’ ich mehr (meine persönliche Meinung) zu sagen. Und ich meinte schon Lösung als Lösung… ob gut oder schlecht, sei dahingestellt.
Kann man aber auch in Bezug auf Erfahrung sehen, wenn man draus lernt… ach keine Ahnung (zehn Stunden Uni – /überlastet).

Beides ungünstig. Morgen so ziemlich komplett ausgebucht (zzgl. Bahnstreiks), Freitag wohl ähnlich. Hmm :D


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