Bevor sie sah, was passierte, war es auch schon dunkel. Eine Stunde später stand ein netter Elektriker vom Havariedienst in der Küche, ähnlich einem Messiparadies und schraubte im Sicherungskasten rum.
Ein Havariedienst für zwischenmenschliche Schwierigkeiten, dachte ich mir zwischen dem Stromausfall und der Ankunft des Elektrikers, wäre eine feine Sache. „Guten Tag, ich weiß nicht mehr wie ich was denken soll.“, würde ich dann fragen.
In dieser Stunde saß ich mit Ebru, Erik, Dana, Anna (Verantwortliche für den Stromausfall) und Laura in einer finsteren Küche an einem Tisch mit Kerzen. Erik war traurig, weil man ihm in seine Erdnussschachtel geascht hat, was aber doch logisch ist, wenn es dunkel ist. Ich dachte daran, dass sich betrunkene Männer immer an einen Baum stellen, wenn sie pinkeln müssen, wie Hunde und das es ziemlich strange wäre, wenn sie es nicht tun würden. Ich dachte an Tränen, die ins Auge zurückfließen, weil man den Grund des Weinens schon wieder vergessen hat. Ich dachte daran, wie ich nass in der Dusche stehe und rückwärts trocken wieder rauskomme. Ich dachte an meinen letzten Sex, wobei das Blut wieder zurück in Körper floss und ich rückwärts aufstehe und meine Sache wieder anziehe. Ich dachte an meinen Motorradunfall, wie das zerstörte Blech wieder ganz wird und ich rückwärts vom Asphalt auf das Motorrad fliege.
Ich will einen Havariedienst dafür, um Verluste reversibel zu machen. Nicht um Dinge ungeschehen machen zu können, sondern weil das einfach besser so wäre. Hätte ich sie damals wirklich geschlagen, als ich rausbekam, dass sie mich betrog? Auf jeden Fall denke ich daran, dass meine Faust sich rückwärts aus dem Gesicht des Typen, mit dem sie mich betrog, bewegt. Ich sehe den Frust, der sich zu Glück rückwärts umwandelt, die Leiche meines Freundes Peter, die ins Auto zurückgeschleudert wird und ihn somit wieder zum Leben erweckt.
Ich sehe die vielen Lügen, die ich nie aussprechen musste und auch die Entscheidungen, die gar nicht getroffen werden können, sollte der Havariedienst seine Sache gut machen. Wenn ich genauso viele Finger hätte, die der Zahl der Verluste gleich käme, dann könnte ich die Handschuhindustrie revolutionieren. Ich bräuchte einen achten Wochentag, dem ich dem Fingernägelschneiden widmen müsste. Vielleicht würde ich sogar vergessen, dass ich soviele Sache vergessen habe, weil ich sie vergessen musste.
Diesen Havariedienst gibt es nicht. Als das Licht in der Küche wieder anging, freuten sich alle. Außer Erik und mir. Erik, weil Asche in seinen Erdnüssen war. Ich, weil ich neidisch auf den Sicherungskasten war, dessen Probleme einfach durch den simplen Akt des Erneuerns weg waren.
Ich spitzte die Ohren, als der Elektriker sagte, dass sie sich neue Sicherungen kaufen sollen. Ich schaute traurig auf den Boden und fragte mich, ob auch Menschen anfällig für Kurzschlüsse seien.
Gibts eigentlich für alle Sachen eine Lösung?





nicht für alles.. aber für vieles.. und selbst wenn es so wäre.. irgendetwas bleibt immer auf der strecke.. und wenn es menschen sind.