Es ist soweit. In einer knappen Stunde passiert das, was mich die letzten paar Monate irgendwie so sehr bedrückt hat, neben den anderen Dingen, dass ich nachts das Gefühl hatte, ein Alb sitzt auf meiner Brust.
Ich kann nur hoffen, dass diese Befreiung in erster Linie bei mir selbst fruchtet. Nach dem ganzen Chaos mit Adriani hat sich einiges wieder stabilisiert und ich habe das Gefühl meinen eigenen Kampf bzw. meinen eigenen Feldzug gegen die Dinge führen zu müssen, die mein Leben permanent (unbewusst?)in den Schatten stellen wollen.
Freunde. Das Wort wird mehr und mehr abstrakt für mich. Zuhause in Berlin, da sind die wahren Freunde. Und hier in Jena? Hier kämpfe ich damit nicht unglücklich zu werden. Und dieser Balanceakt ist äußerst strapaziös, wenn man nicht gewohnt ist, am Fließband hintergangen, belogen und verarscht zu werden. Man nennt sich hier „Freunde“. Aber das ist für mich nur eine Illusion, ein Ritual, dass sich aus gemeinsam in der Mensa essen und anschließend Kaffeetrinken zusammensetzt.
Es klingt ganz banal. Aber ich habe Hunger auf ehrliche Freundschaft. Hier in Jena, meine ich. Ein paar Menschen sind hier, die mein tötliches Schweigen sehen, es registrieren und all das kompensieren, was mich zwingt den Ball flach zu halten. Aber ich muss mit mir ins Reine kommen. Ich muss. Und wenn ich schon früher so ein Feigling war, dann tue ich es eben jetzt. Dann bin ich eben jetzt ehrlich und versuch mich alleine da raus zu boxen.
Freundschaft und Liebe. Das sind zwei Dinge, bei denen mir momentan einfach nur komisch wird.
Als hätte man was verloren, was einen ausgemacht hat und die einzigen Menschen, in dessen Hände diese Sache lag, haben einen Schaden angerichtet, den ich bis jetzt noch nicht ganz einschätzen kann. Vielleicht hilft es ja, wenn ich konsequent aufräume. Habe letztens bei Adriani schon einen Anfang gemacht und das gesagt, was ich getan habe. Heute geht es in die zweite Runde.
Habe die letzten Nächte besser geschlafen.
Und irgendwie macht sich ein Gefühl breit, dass mir in den letzten Monaten ein Rätsel war, ein chinesisches Wort. Hoffnung.
Hoffnung, die es für mich gibt. Für mich allein. Ich glaube, ich habe dies verdient…
… denn ich habe immer alles gegeben. Immer. Ich bin hungrig.





Gut, jetzt „versteh’“ ich, warum wir mal was trinken gehen sollten
Aber Hoffnung ist so’ne Sache… und Glaube an die gerechte Welt sowieso. Nur, weil man viel gibt, heißt das nicht, dass man viel bekommt. Aber da springen wir dann zurück zur Hoffnung… egal.