Wenn man früher Bock hatte, mal wieder ne Nummer zu schieben. Dann hat man sich geduscht, es sich ordentlich mit Alkohol besorgt und ist dann in die nächste Disse gefahren. Da hat man dann Interesse geheuchelt und wenn man Glück hatte, dann wurde ein paar Longdrinks später noch die Egospritze entleert. Der Alkohol hat in vielen solchen Fällen mutig gemacht, war jedoch auch bzw vor allem die Universalausrede (im Nachhinein), wenn der spontane Bettgenosse ein hässlicher Beulenjoshi war.
Nun. Dem Internet sei Dank kam dann das studiVZ. Ähnlich wie bei myspace.com gibt es nur sporadisch Menschen, die hier ein Profilfoto hochladen, das der Realität näher kommt. Alle sind heiß und geil. Da sind eingeölte Typen, die mit Waschbrettbauch am Strand stehen und ihren Pimmel mit einer Bierflasche bedecken. Da sind Frauen, die ihr Foto durch Photoshop prügeln um bei der Fleischbeschau mitmachen zu können. Dann regen sie sich auf, dass irgendein Newton-Sohn eine Gruppe gründet, wo Weiber bloßgestellt werden und zum verfluchten Mongo-Gruppen-Gruscheln angestiftet wird.
Das Internet macht es möglich. Und es sind die User, die es nicht drauf haben. In einer Welt, wo man Sex als Orden vor sich herträgt, als Typ täglich auf 20-30 Frauenprofilen denselben behinderten „damn hot“-Spruch ejakuliert, hat studiVZ den Nerv der Zeit getroffen. Und ich möchte wetten, dass 60-80% der Typen den stillen Wunsch hegen mal irgendeine Kuh abzuschleppen um sich danach selbst besoffen zu verlinken. Und ich schätze auch, dass die Prozentzahl der Frauen nicht wesentlich von der Männerquote abweicht.
Und ich möchte nicht wissen, wieviele Bifis (MUAHAHA. Plural) unter der wehenden Opfer-Fahne des studiVZ in Garagen geworfen wurden, seit es diese Plattform gibt.

Billiger als jeder Puff und jeder Club zuzüglich des Alkohols den man kaufen muss um es oldschool (also live) anzuleiern. Vielen Dank an das studiVZ für diese schonungslose Offenlegung der Tatsache, dass wir alle irgendwie Soziopathen sind. Wenn unser Leben aussehen würde wie ein Comicstrip, dann würde dank eurer Plattform und der Meute/Studenten, die sich auf dem absteigen Ast befinden, nur noch ein BÄM! oder ein ZONK! über allen Frauenärschen/Pimmeln stehen.





Und es sind genau diese Gründe, kombiniert mit dem nicht vorhandenen Mehrwert (Bilder? Dienen doch auch nur der Befriedigung des eigenen Egos bzw. Libidos. Gruppen? Haben keinen Gehalt, dienen doch nur der erweiterten Profilierung), warum ich dem Ding schon lange den Rücken gekehrt habe. Und wenn mir Freunde sagen, ich solle doch wieder kommen, dann kann ich nur müde lächeln.
Verwunderlich bis teilweise erschreckend finde ich aber, wie abhängig sich manche davon mittlerweile machen, als ob es heutzutage keine anderen Möglichkeiten mehr gäbe, Kontakt zu halten. Täglich wird das Profil aktualisiert („dann bin ich in der Freundesliste ganz oben!“), alle 30 Minuten die Pinnwand gecheckt. Als obs im Leben nix anderes mehr gäbe.