Archiv für Oktober, 2007
Guten Morgen, du blödes Schwein (2).
Nachdem ich gerade zähneknirschend mein viel zu hohes Bußgeld bezahlt habe, weil ich zu blöd/zu faul war meinen Personalausweis zu verlängern (und das geschlagene 1,5 Jahre *hust*) – wobei ich mir sicher bin, dass Bill von Tokio Hotel das nicht müsste (ist der schon so alt, einen Perso zu beantragen?) – begegnete mir das Ordnungsamt vor der Polizeiwache am Anger und sah, wie ich gebumst vom bisherigen heutigen Tag, einfach so die Straße überquerte. Bei Rot! Vor einem Polizeirevier!
Ich bin mir meiner Blödheit ab und an schon bewusst. Ich leide auch nicht unter virtuellen Delirium, aber ich bin mir vorallem sicher, dass ich im Anschluss nach meiner Schöpfung in einem Supermarkt war, der Qualitätsdummheit im Angebot hatte. Und ich muss wohl - anders kann ich mir das nicht erklären – meinen Einkaufswagen vollgestopft haben mit dieser Dummheit.
Mir bleibt echt nichts erspart. Das muss man sich mal reinziehen:
Ich komme um fast 80 Euro ärmer aus der Bußgeldstelle und werde vor einem Polizeirevier vom Ordnungsamt dabei erwischt, wie ich eine rote Ampel überquere. In meinem Kopf herrscht Anarchie, auf jeden Fall.
Nachdem mich die geschmackloseste Instanz aller Zeiten also zur Rede stellte, stand ich da mit meinem meterlangen Augenringen, der Leere in meiner Brieftasche, der Demütigung deluxe und einer schlechtsitzenden Unterhose und musste meine Situation irgendwie in Worte kleiden.
Da ich mir nicht sicher war, zu was ich noch fähig gewesen wäre und ich weitere Leichen nicht auch noch verantworten wollte (die zwischen den Kaffeebohnen im Rossi fängt schon an zu stinken; schade um den Kaffee), setzte ich mein Begattungslächeln auf um die beiden Schnecken zu umgarnen. Es ist mir gelungen, nachdem ich meinen peinlichen Tag schilderte und ihnen ein unattraktives Lächeln entlocken konnte.
Da fällt mir übrigens ein, was Agent Smith mir letztens gesagt hat:
„Nur der Mensch kann so etwas Geschmackloses wie die Liebe erfinden.„
Er hatte unrecht. Und nachdem ich es ihm und seinen Atzen in meiner Renegade-Kutte ordentlich besorgt hatte, kam mir der Gedanke allen Menschen, die den Schluss UND die Message von Matrix 3 nicht gerafft haben, folgendes mitzuteilen:
Es geht um Entscheidung. Im ganzen Leben. Auch in der Liebe. Wer nicht entscheidet wird untergehen. Ganz sicher.
Ich frage mich gerade, wie hoch das Bußgeld zu dieser heiklen Situation ausfallen würde:
Während ich ertappt auf die beiden Damen vom Ordnungsamt zuschlendere, mit einem Lächeln und ihnen zwei Schritte vorher die Hand austrecke – wobei sie erfreut über die seltene Geste in ihrem Beruf selbiges tun – breche ich der einen mit einem ganz spontanen und gekonnten Kopfstoß die Nase und schicke die andere mit einem vor dem Spiegel eingeübten Roundhouse-Kick à la Chuck Norris in den Erdorbit. Was müsste ich bezahlen. Und während der Polizist auf der gegenüberliegenden Straßenseite fassungslos nach seinem Walkie-Talkie grabscht, schreie ich ihm ein lautes „Sag mal ‘Bonjour’ dazu!“ ins Gesicht, während ich ganz Neo-mäßig meine Sonnenbrille aufsetze.
Warum kann ich nicht in meiner Vorstellung leben. Mit einer vollen Brieftasche für die vielen Bußgelder, die ich provozieren würde.
Guten Morgen, du blödes Schwein.
Man weiß doch eigentlich ganz genau, was man von sich selbst zu halten hat, wenn man die Zeitumstellung am Wochenende verplant hat und Montag dann um 6.30 Uhr auf dem Campus steht und sich wundert wieso kein Schwein unterwegs ist.
Und da mich nicht mal die leere Bahn stutzig gemacht hat, komme ich zu dem Schluss, dass ich eigentlich gar nichts verplant habe, sondern mit purer Absicht so früh los bin. Jawohl. Ich hatte ein Date mit meiner Alltagsignoranz. Mir war gestern sogar egal, dass der 20.15-Uhr-Film um 21.15 Uhr anfing. Oder nicht?
Guten Morgen, Basti, du blödes Schwein. Den Kaffee, den du gerade trinkst, hast du gar nicht verdient.
Einsortiert in die Abteilung „War blöd, merkste selbst, ne?“.
Brutal kalt und unsagbar leise.
Wirklich überzeugt habe ich meine Chefin nicht, als ich aus purer Langeweile in meinen Weltherrschaftsgedanken versunken bin und die weltgrößte (das behaupte ich jetzt einfach mal) Pyramide aus leeren Bierkisten auf Arbeit gebaut habe. Ich wurde erwischt, aber ehrlich gesagt, war ich zu stolz auf mein Werk, als dass mich eine drohende Kündigung aus der Bahn hätte schmeißen können. Zwei Uhr nachts zeigte die Uhr als der Feierabend näher rückte und ich dachte:
„Verdammt, warum eigentlich Feierabend? Es gibt nichts zu feiern, außer mein grandioses Werk der Bierpyramide, für die ich aber nur einen einzigen Zeuge habe. Und dieser Zeuge konnte meine Begeisterung nicht so ganz teilen.„
Nachdem meine Hände sich entkrampften - denn ich bin der Meinung zu einer richtigen Weltherrschaftsstimmung gehört auch eine verkrampfte Handstellung, welche die nach oben gedrehten Augen, das wahnsinnige Lachen und das Flackern der Lichter ergänzt - habe ich mich in die Kälte rausgewagt und bin im Stechschritt gemischt mit Passgang nach Hause und stand vor verschlossener Tür. Das Miese bat mich ja noch vor der Arbeit ihr mein Handy und meinen Wohnungsschlüssel da zu lassen, weil sie mir aufmachen wollte. Nun. Sie schlief. mit Ohrstöpsel, was wohl der Grund war, warum sie mein 30-minütiges Klingeln und mein Schreien und mein fast-die-Tür-Eingetrete nicht wahrgenommen hat.

Da stand ich nun. Es war um drei, mir war kalt, ich war müde, hatte Hunger und war ein kleines bisschen wütend. Dann bin ich zu Ebru. Keiner da. Dann zu Steffi. Keiner da. Dann zu den Schmusis. Keiner da. Kein Schlafplatz für Basti. Wenn mein Magen nicht so leer gewesen wäre, dann hätte ich auf der Stelle gekotzt. Mein Gesicht war an der Ausdrucksgrenze „Bitte einen Atomkrieg, jetzt“. Dann öffnete Thomas mir seine Pforten.
Letztendlich habe ich da noch eine Flasche spanischen Rotwein geleert und mir Matrix 3 mit ihm angesehen. Meine Wut ließ sich auch nicht von der Tatsache mehr steigern, dass keiner an sein Telefon ging. Nach drei oder vier Stunden Schlaf auf einer verdammt harten Couch ging ich durch den Morgenfrost nach Hause, noch immer mit den Gemütsmerkmalen der Nacht. Dann seh ich an meinem Fenster das Miese stehen, gut gelaunt und ausgeschlafen, wie es ein Kissen ausschüttelte. Ich habe dann den ganzen Tag noch Schlaf nachgeholt.
Geträumt habe ich von einem SEK-Einsatz in meiner Straße, bei dem ich das Haus in die Luft jagen will, weil mir niemand Unterschlupf gewährt hat. Es gab keine Verletzten, aber ein SEK-Beamter hat sich den Knöchel verstaucht, als er mich in den Wagen wuchtete, wobei ich schrie:
„Ich will doch nur schlafen, ihr Penner.„
Der Beamte sagte, er müsse noch meine Personalien aufnehmen, worauf hin ich ihm den Stinkefinger zeigte, bei dem Versuch mir in den Arsch zu treten, knickte er dann um. Ich musste lachen, bin aber zwei Minuten später im Auto eingeschlafen. Gesabbert habe ich auch. Das tat mir leid.
[Edit]: Ach ja, bevor ich es vergesse… wer hat das Referat zu Bill Viola ergattert? Ich werde mal eben meinen Siegestanz aufführen, gleich nachdem ich folgendes los geworden bin:
Vulgär. Radikal. Erstklassig. Patsy Jones. Warum? Deswegen.
Frauen in Baggyhosen.
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Ich: „Weißte’, ich find’ Frauen in Baggyhosen manchmal ganz schön sexy.„
Thomas: „Hmm. Aber nich’ zu krass Baggy. So ‘n bisschen eben. Das kommt dann aber echt drauf an wie der Rest so aussieht…„
Ich: „Hm. Ich mein…„
Thomas: „Also die da hinten hab ich jetz’ nicht von vorn gesehn, aber so prinzipiell…„
Ich: „Nee, die jetz nich’…„
Thomas: „Aber wenn ne’ Daunenjacke dazu kommt, is’ es auch schon wieder vorbei.„
Ich „So great.„
Nicht willkommen.
„Vier Zigaretten, bitte„, sagte ich der merkwürdig aussehenden Kassierkraft im Café ROSSI. Ich spiele kurz mit dem Gedanken sie zu fragen, ob sie ein Oger sei. „Ein Euro“, entgegnete sie mir. Ich drehte mich um, packte mein Buch aus und wollte mir grade meine erste Zigarette anstecken, da kam der glatzköpfige Typ, der sich hinter dem Tresen immer wie ein Chef benimmt, an meinen Fensterplatz, tat so als würde er dort was wichtiges zu tun haben und meinte ganz beiläufig zu mir: „Wenn du nur Zigaretten [25 Cents das STück] hast, dann bitte vor dem Laden rauchen.„
„Wieso das denn?„, fragte ich ihn. „Das hier ist ein Café und keine Raucherkneipe„, blaffte es zurück. Sein Gesichtsausdruck pendelte zwischen völlig grundloser Verärgerung und überflüssiger Arroganz. Mein Blick schweifte durch das sonst so prall gefüllte Kaffee-to-go-Café, aber bis auf meine Wenigkeit, ihn, der immer noch merkwürdig aussehenden Tresentorte und zwei oder drei Zeitungslesern, war hier niemand.
„Wissen Sie, ich komme mehrmals die Woche hier Kaffee trinken und hab schon wasweissich wieviele Stempelkarten hier abgegeben mit Treuepunkten„, sage ich ein wenig erzürnt. Pause. Ich sehe diese Art von Bewegung in seinem Gesicht, die ich jetzt mal spontan als Augenrollen identifizieren möchte. „Außerdem vielleicht trinke ich ja noch einen, oder ich warte auf jemanden, der mit mir zusammen dann einen trinkt„, fuhr ich fort, wobei ich diese Lüge hinter einem entschlossenen Gesicht versteckte.
„Solange kannst du draußen rauchen„, sagte er. Mein Blick fuhr wieder durch das Café. Mittlerweile war ich Mittelpunkt der 4-5 Anwesenden. Die Tresentorte schaute mich nur mit ihren verpennten Augen aus ihrem merkwürdig aussehenden Gesicht an, während sie die Asche ihrer Zigarette am Aschenbecher abklopfte. Auch die 2-3 Milchbrötchen mit ihren Ausgaben der FAZ blinzelten nur müde, während sie den Rauch aus ihren Nasen pressten.
„Soll ich Ihnen mal ordentlich in die Fresse hauen, sie beschissenes Opfer„, dachte ich mir, während ich erneut den Besitzer anschaute der mir Desinteresse vorspielte indem er seinen erbärmlichen Versuch so zu tun, als würde er in der Ecke, in der ich immer noch saß, etwas erledigen.
„Okay„, stotterte ich irritiert, „aber mir ist irgendwie nicht klar, wieso Sie mich vor die Tür setzen, wenn ich mir vier Zigaretten zu einem erhöhten Preis bestelle und sowieso immer hier Kaffee trinke… .„
Er schaute ignorant aus dem Fenster. Eine deutliche stille Aufforderung endlich abzuhauen.
„Vielen Dank„, sagte ich, während ich mir die Hände hinter dem Tresen im Waschbecken vom Blut befreite, gleich nachdem ich seine Leiche in seinem Lagerraum zwischen den Kaffeebohnen versteckt habe. Die merkwürdig aussehende Frau sah auch geknebelt noch merkwürdig aus.




