Archiv für Juni, 2007

Schau genau hin, liebe Erinnerung.

apos Ich musste heute nach meinem Ästhetikreferat irgendwie an meinen Kumpel Peter denken. Peter hat sich vor ein paar Jahren das Leben genommen. Er war zu diesem Zeitpunkt der erste Mensch, der das in meinem Umfeld fertig brachte. Peter und ich verstanden uns echt gut. Zusammen mit meinem besten Kumpel und baldigen Ex-Mitbewohner Mexx (*schnief*) und Peter wurden die lustigsten Abende gestartet. Er hat ständig ein drauf gemacht, war immer guter Dinge und ihn konnte nie etwas erschüttern. Bis zu jenen Tag, als er einen Abschiedsbrief verfasste und sein Auto mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum setzte. Peter war Berichten zufolge sofort tot. Ich erfuhr noch am selben Tag von einem Bekannten was passiert war. Am nächsten Tag las ich es in der Zeitung. Mir hat es damals alles abgeschnürt.
Dann, im Januar 2004, nahm sich eine Freundin von einem sehr guten Freund von mir das Leben. Sie hieß Marie und ich mochte sie echt gern. Ich wusste sie hatte viele Probleme. Sie war so zynisch und doch irgendwie so lieb. Als sie sich damals aus ihrem Fenster schmiss, brach nicht nur für ihre Mutter eine Welt zusammen. Ihre Kindheit ging verloren durch ihren Vater. Sie wollte nie wirklich über ihre Probleme reden. Stattdessen dachte sie, dass sie sich nur anstrengen muss alles zu vergessen.
Menschen gehen manchmal einfach eigenartig mit ihren Problemen um. In beiden Fällen war ich traurig, sehr angespannt. Zu beiden Beerdigungen konnte ich damals nicht gehen. Ich konnte nicht auf ihre Gräber sehen. Ich war so wütend über diesen Egoismus. Wie kann man sich nur so aus dem Leben stehlen. Mir ist bis heute klar, dass die Gründe für deren Freitode sicher plausibel waren. Zumindest für die beiden. Wütend bin ich darüber, dass sie mit niemanden über ihre Probleme geredet haben.
Man unterschätzt dieses Gefühl, welches entsteht, wenn man einfach nur mit jemanden reden kann. Ich weiß noch bis heute, dass Marie mal auf einer Party zu mir meinte:

„Borsti, gewisse Dinge sind mir unerklärlich. Ich befürchte es sind die Dinge, die wirklich wichtig sind.“

Zurück blieben viele trauernde Menschen, die nicht begreifen konnten, warum. Sie sahen nur das ‚Wie’. Ich wollte nie pietätlos sein, aber die wenigsten Menschen wollten wirklich verstehen, was mit beiden los war.
Ich frage mich welchen Punkt man erreichen muss um Suizid zu begehen. Da müssen alle Alternativen ausgeschöpft sein, oder?
Seitdem bin ich noch wachsamer, was mein direktes Umfeld betrifft. Denn wenn ich ehrlich bin, denke ich manchmal noch an Peter und Marie.
Es ist so wichtig, dass einem bewusst ist, dass man immer aufgefangen werden wird, wenn der Boden unter den Füßen weg bricht. Wir als Freunde müssen immer die Augen offen halten. Damit wir uns irgendwann nicht vor Beerdigungen drücken müssen, weil wir es nicht ertragen können.

Decodierung der Liebe.

aposAm besten ist es ja wenn Menschen dir was über Liebe erzählen wollen. Ich kenn das mittlerweile.
„Ach du bist doch noch jung“, „Mein Gott, du wirst noch so viel in deinem Leben erleben“.
Ich find es toll, dass Menschen die älter sind als ich offensichtlich wissen wo der Hammer hängt. Die wissen in Herzschmerzsachen immer was. Haben immer ne behinderte Antwort auf der Kelle, die unterschwellig was Erhabenes mit sich führt. Als wären sie Prof. Dr. Liebe. Oder Paare, deren Beziehung seit vier Jahren hält und die meine Beziehungen nicht ernst nehmen, weil die eben erst seit zwei Jahren läuft. Obwohl ich weiß, dass deren Beziehung immer am Grad der Zerstörung und Einengung balanciert, darf man sich dann anhören, dass man ja ‚selber noch an den Punkt gelangen wird’.
An welchem Punkt? Liebe=Zeitfortschritt?
Und dann bricht deren Beziehung auseinander und ich denke mir: „Ich hab es gewusst!“. Ich fühl mich mit dieser Erkenntnis nicht gut. Nicht erhaben nur weil meine eigene Beziehung weiterläuft. Ich fühl mich scheiße, weil man mich immer belächelt hat, wenn ich denen einen Ratschlag geben wollte und man ihn partout nicht annehmen wollte. Was sagt man da? Mit Sicherheit nicht „Ich hab es gewusst“.
Ich wurde erst letztens gefragt, ob ich weiß was Liebe ist. Ich habe nicht geantwortet, weil ich wusste, dass man mich mit meinen zwei Jahren Beziehung und meinen 22 Jahren eh nicht wahr und ernst nimmt. Es spielt natürlich keine Rolle, dass ich eigentlich seit 6 Jahren am Stück in Beziehungen lebe. Und ich bin niemals abgesprungen. Man sprang nur ab.
Ich möchte gar nicht groß Rumphilosophieren oder gar das EMO-Tape reinschmeißen. Ich sag jetzt niemanden, was er gefälligst zu denken hat. Aber das denke ich über Liebe:

schreien
Wer war für mich da, als alles schwer in meinem Leben war? SIE.
Wer hat mir nach meinem schweren Fehler verziehen? SIE.
Wer kämpft nach zwei Jahren immer noch wie ein Irrer um seinen und meinen Seelenfrieden? SIE.
UND ICH.
Wie oft hast du mich gefragt, ob ich dich wirklich liebe? So oft. Und ich konnte dir IMMER Antwort geben. Selbst als ich strauchelte. Ich war sicher. Und du hast mir klar gemacht, dass Liebe kein Zeitfortschritt ist. Denn wie so oft ist es die Zeit, die Liebe langsam kaputt macht? Ich konnte immer sicher sein. Immer. Und genau das konnte ich dir dann auch sagen.
Wer bekommt Herzklopfen, wenn er sich vorstellt, dass du ihn plötzlich verlässt? ICH. Es ist keine Verlustangst, denn die hat sie mir ausgetrieben. Ich träume von der Angst, die ich haben würde, wenn du gehen würdest. Wer ist nie gegangen? SIE.
Wer ist manchmal total eigenartig, mit dem was er sagt, denkt und tut? SIE. Wem gibt das Ruhe und Sicherheit? MIR. Weil ich es brauch, weil ich selber so kaputt bin und es brauch, wenn sie mich wieder runterholt. In ihre Welt. Da wo alles besser ist. Da wo ich mich sicher fühle. Ich bin selbst durchgeknallt genug um zu checken, dass man Dinge nicht nur festhalten muss, sondern auch loslässt. Von sich aus. Damit der andere festhalten kann.
Wer fragt immer wieder nach meiner Zeit, als wäre sie Besitz, den man unbedingt haben muss? SIE. Weil sie mich liebt. Und wer gibt sie und fragt selbst? ICH. Weil ich sie liebe.
Ich hab irgendwann einfach Gründe gebraucht um in ihre Welt zu wollen. Sie gab mir Antworten auf nicht gestellte Fragen.
Wer hat mich gefragt, wie es sich anfühlt sie zu lieben? SIE. Und diese Frage, die eigentlich die Antwort war, konnte ich nur mit Lächeln beantworten. Sie auch. Sie wollte keine Antwort. Sie wusste sie schon.
Bei wem bin ich niemals schuldig? Bei IHR. Weil sie Verständnis hat und ich ihr dafür selbiges gebe. Weil ich es will. Weil ich es brauch.
Wer macht mit mir nie ein auf Turteltäubchen? SIE. Weil sie zuviel Respekt vor uns beiden hat. Und weil sie weiß, was ich brauche und was nicht. Ich dachte lange, sie sei verrückt. Jetzt weiß ich, dass sie mich nur kennt. Und deswegen bin ich verrückt. Das ist die Brücke für die Liebe.
Wer flüstert für mich? Immer sie. Als wäre sie neben mir und würde dabei immer versuchen ihren Kopf auf meine Schultern zu legen während wir laufen. Das klappt nie. Aber sie versucht es immer wieder. Immer wieder. Weil sie einfach nicht aufgibt. Nicht nach zwei Jahren, nicht nach vier Jahren. Sie wird es nie aufgeben, es zu versuchen. Alles zu versuchen.

Ich habe nicht ein einziges Mal wirklich das Wort ‚Liebe’ benutzt. Aber ich weiß, es steckte darin. Liebe ist keine Zeiteinheit. Es ist der Versuch, es zu riskieren und zu versuchen und um es zu versuchen. Immer wieder. Wer das nicht begreift, der wird meinen Worten niemals Glauben schenken. Der springende Punkt ist, ich bin glücklich. Der es anzweifelt und unterschätzt, der weiß es nicht besser. Ich kenne nicht das Geheimnis, das Rezept oder die Anleitung.

Ich versuche es einfach nur. Und deswegen liebe ich. Ich liebe sie. Und sie liebt mich verdammt noch mal auch.

Ein brutales Wochenende.

aposPünktlich zum Wochenende verfliegen die grauen Wolken aus meinem Kopf um sich zu einer fetten Wolkendecke über Jena zu verteilen. Macht nix. Heut war lecker Frühstück in meinem zukünftigen neuen Zuhause angesagt: das Wohnheim in der Schlegelstraße. Was hab ich über Lobeda abgestunken. Und nun zieh ich da im August hin. Das Leben ist aber nun mal eine Olive: man isst sie, kämpft mit einem trockenen brechreizähnlichem Würgen und versucht cool dabei auszusehen, was eigentlich genauso unmöglich ist, wie wenn man als Kerl nackt aus sehr kaltem Wasser steigt. Da kann man auch nicht cool aussehen. Auf jeden Fall erinnerte ich mich an eine Theorie von einer mir nahe stehenden Person, die besagt, dass der Autobahntunnel, der direkt an der DDR-Plattenbausiedlung in Lobeda-West gebaut wurde, nicht den Zweck hat die Anwohner vor Autobahnlärm zu schützen. Wahrscheinlicher ist, dass die Autofahrer vor dem Anblick/den Anwohnern geschützt werden müssen. Soviel dazu. Lobeda hat den selben Coolheitsgrad wie alle Sandra Bullock-Filme und die Essensfrau in der Mensa, die immer Pflaster an den Fingern hat, während sie Essen verteilt, und sich stets darum bemüht, dass ja immer ein Finger das Essen auf dem Teller berührt.

Ganz spektakulär war der Weg heut früh um 7.30 Uhr MESZ zur Uni. In Gedanken versunken habe ich aus Versehen einen Mini-Opa angerempelt, der ein bisschen nach Formaldehyd roch. Und da wollte der doch echt nen Beef anzetteln mit der Aussage: „Passen se doch oof, wo se hinloofen, sie Arschloch!“.
Der Tag hat noch nich mal angefangen und schon gibt’s ne dicke fette Verbalbombe von Gandalf ohne Bart in DDR-Manier. Ich war sprachlos. Ich ging weiter und hörte es noch brabbeln. Wer alt und langweilig ist und wie n Arsch riecht, der ist es nicht würdig mir ein Statement zu entlocken. Menschen sind echt manchmal einfach nur scheiße. Menschen sind mit Monstersoße überzogene Monster mit Monsterfüllung drin (*Anmerkung: Dr. Bob Kelso). Die nächste Omi, die meinen Weg kreuzt, hat erstmal nen berbarst harten Battle mit mir an den Hacken. Ich hatte da an meinen 1000-Jahre alten Nachbarn gedacht, der für das Postholen in der Regel 20 Minuten braucht und der mich prinzipiell immer mit der salutierenden Hand begrüßt. Aber der ist einfach zu korrekt.

Und nun beende ich meine erbärmliche Woche mit dem in meinem Hirn eingebrannten Wikipedia-Penis vom lieben Herrn Pulsiv signiert und einem erfrischenden Guiness-Bier in nem halbwegs angenehmen Ambiente. Nicht angenehm ist zum Beispiel das CLEANICUM in der Wagnergasse in der ich schon zweimal ne Telefonnummer zugesteckt bekam von der Bedienung, die mir aber zu viel Penis in beiden Fällen zwischen den Beinen zu baumeln hatte. Außerdem hängen da alle Intelligenzverweigerer der Stadt nach einer bestimmten Uhrzeit ab. UND – um das nicht zu vergessen – im CLEANICUM gab es mal einen „Nudeltag“. Ich kann nur hoffen, dass damit das Gericht gemeint war, trotzdem stieg der Schuppen damit auf meine Liste der absolut vermeidbaren Dinge und Ereignisse in die Top-Ten ein. Hier noch mal die Top-Ten:

1. Leute, die aus einem vollen Bus als erster aussteigen um dann direkt vor der Tür stehen zu bleiben und überlegen in welche Richtung sie müssen.
2. Philosophiestudenten, die der Meinung sind die Wahrheit und die Erkenntnis von allem gepachtet zu haben und dabei so übel aus dem Maul riechen, als würden sie Hasenkötel zum Frühstück gegessen haben.
3. Fishbone-Sachen.
4. Typen, die Wörter wie ‘keck’ oder ‘hip’ verwenden.
5. Filme/Musik von/mit den Spice Girls.
6. Frauen mit Nuttennummernschild über der Nougatfalte die prinzipiell mit amöbenbewusstseinsgesteuerten Strichern rumhängen, die ihre Bräune im Assitoaster klar machen, rosafarbene Polohemden mit dem Aufdruck “REAL” tragen und Goldkettchen am Handgelenk spazieren führen.
7. Modern Talking mitsamt den in der BILD ausgetragenen Schmierentheaterstücken, der Musik, ‘Naddel’ und der Vogel, der jedes Jahr für Deutschland beim Eurovision-Song-Contest talentheuchelnde Dummbeutel stellt, die dann natürlich abloosen.
8. Das CLEANICUM in Jena.
9. Armselige Auftritte von Schlagersängern in Einkaufspassagen, die sich freuen “endlich mal wieder ‘in Town’ zu sein”, obwohl man die einsame Leere in ihren Augen sehen kann. Genau wie bei den Rentern, die in der ersten Reihe willenlos am Takt vorbei mitklatschen.
10. Der G8-Gipfel, auf dem Bush mal wieder nicht sein Rückrat gefunden hat.

So. Dies war natürlich nur ein Auszug von Milliarden Dingen, die ich zum Kotzen finde. Jeder sei dazu aufgefordert ein Liste von seiner Top-Ten zu erstellen um sie mir zu geben.

Ich wünsche allen Tagträumern/innen ein tolles Wochenende und denkt dran: Liebe.

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